Ältere deutsche Literatur

 

DAS FACH: Was ist die Ältere deutsche Literatur?

Der Begriff „Ältere deutsche Literatur“ grenzt sich ab vom Begriff der „Neueren deutschen Literatur“. Wo die zeitliche Grenze zwischen den beiden Gebieten verläuft, hängt vom jeweiligen Forschungsinteresse und vom Profil der Universitäten ab. Teilweise wird der Schnitt schon um 1400 gesetzt, teilweise erst um 1650/1700 (Frühe Neuzeit). Eigenständiger ist der Begriff „germanistische Mediävistik“:

   
„Mediävistik“

Die Bezeichnung Mediävistik ist ein Sammelbegriff für diejenigen Wissenschaften, die sich mit mittelalterlichen Ereignissen und Überlieferungsgegenständen beschäftigen. Grob gesprochen geht es um die Zeit von etwa 500 bis 1500 n.Chr. Mögliche mediävistische Disziplinen sind etwa die Geschichtswissenschaft, Archäologie, Sprach- oder Literaturwissenschaft.

„Germanistische Mediävistik“ Die germanistische Mediävistik (oder auch: Altgermanistik, Ältere deutsche Literatur, Mittelaltergermanistik) nähert sich dem Mittelalter aus Sicht der deutschsprachigen Texte, die aus der Zeit auf uns gekommen sind. Eine umfassende Übersicht der betreffenden Überlieferungsträger bietet der Handschriftencensus. Unter „deutschsprachiges“ Mittelalter versteht man drei Hauptabschnitte: Die Sprachstufen des Althochdeutschen (ca. 750–1050), des Mittelhochdeutschen (ca. 1050–1250) und des Frühneuhochdeutschen (ca. 1250–1450/1600).

 

ÄDL AN DER OVGU: Wer sind wir?

 

 

 

STUDIUM: Was erwartet mich in den mediävistischen Veranstaltungen?

Einführungsvorlesung und -seminare (MGER 9 und LGER 9):

Die einführenden Veranstaltungen vermitteln einen ersten Überblick über zentrale Texte, die wesentlichen Fragestellungen des Faches, wichtige Theorien der Forschung sowie die Grundlagen der mittelhochdeutschen Sprachstufe. Ergänzend werden einführende Seminare angeboten, die auf diese Vorlesung abgestimmt sind und die die literaturwissenschaftliche Beschäftigung mit den Texten sowie den Umgang mit der „fremden“ Sprachstufe vertiefen.

Seminare:

Die Seminare bieten die Möglichkeit, vertieft dem Verständnis eines Textes nachzugehen und in die Diskussion über einzelne Textstellen oder Forschungsthesen einzusteigen. In der Gruppe mit Kommilitonen und Dozenten lassen sich die sprachlichen, literarischen und kulturellen Eigenheiten der mittelalterlichen Texte detailliert herausarbeiten. Zudem leiten die Seminare dazu an, eigenständig wissenschaftlich zu arbeiten, von der Kenntnis wichtiger Recherchetools und Nachschlagewerke, über die analytische Lektüre von Primär- und Forschungstexten bis hin zum souveränen Verfassen eigener Forschungstexte (z.B. Seminar- oder Abschlussarbeiten).

Übungen („Tutorien“):

Hierbei handelt es sich um freiwillige Veranstaltungen, die von fortgeschrittenen Studierenden gehalten werden. Die Tutorien sollen die Gelegenheit bieten, Nachfragen zum Stoff der Vorlesung zu stellen, Hilfestellung zu geben und das Übersetzen mittelhochdeutschen Texte ergänzend zu üben.

 

FORSCHUNG: Was sind die Gegenstände des Fachs?

 Mögliche Fragen der Forschung können z.B. sein:

 

  • Historische Distanz („Alterität“):

Wo liegen fundamentale Unterschiede zwischen der mittelalterlichen und der heutigen Vorstellungswelt, etwa was soziale Hierarchien, Gottesbilder oder die Rolle von Kunst und Literatur angeht?

  • Erzähltheoretische Fragestellungen:

Wie wird ein Text erzählt? Welche Textebenen (z.B. Rahmen- und Binnenerzählung) gibt es? Welche Art von Erzähler tritt uns entgegen? Wie fiktional sind mittelalterliche Texte?

  • Überlieferungsgeschichtliche Fragestellungen:

Wie oft ist ein bestimmter Text überliefert? Was, wenn ein Text in unterschiedlichen Fassungen vorliegt? Welche Bedeutung hat die materielle Überlieferung, z.B. Pergamentcodex, Wachstafel oder Schriftrolle?

  • Kulturwissenschaftliche Fragestellungen:

Welche Vorstellung von Herrschaft oder Gesellschaft vermittelt ein Text? Wie werden Beziehungen zwischen Mann und Frau dargestellt, oder zwischen Mensch und Tier? Welche Bedeutung haben bestimmte Farben, Symbole, Gegenstände? Was war der Bildungshintergrund der Autoren und wer hat überhaupt gelesen und geschrieben? In welchem Verhältnis stehen Mündlichkeit und Schriftlichkeit?

 

Unsere Forschungsschwerpunkte:

  • Althochdeutsche / altniederdeutsche und frühmittelhochdeutsche Literatur
  • Legendarisches Erzählen
  • Mirakel
  • Medien- und Überlieferungsgeschichte
  • Literatur und Religion
  • Historische Pragmatiken der Kommunikation

Letzte Änderung: 08.01.2020 - Ansprechpartner: Webmaster Germanistik